Kunst und Wissenschaft - zum Wohle der Menschheit
Orthopädisch-internistische Consensus Conference in der Rheumatologie '05
29. Oktober 2005 MARTa, Herford
Eine außergewöhnliche Veranstaltung an einem ungewöhnlichen Ort, in der Kunst
und Wissenschaft zusammenwirkten für die Menschlichkeit, nannte Professor Karl
Tillmann, der "Vater der Rheumaorthopädie in Deutschland", die 10. Jahrestagung
der Orthopädisch-internistischen Consensus Conference in der Rheumatologie, die
im neuen Museum Marta in Herford stattfand, und dankte dem Organisator Professor
Dr. Frank Hagena aus Bad Oeynhausen. Umrahmt von Flötenspiel und Klaviermusik
erhielten 230 Gäste durch Fachvorträge hochrangiger Referenten Einblick in Entwicklung,
gegenwärtigen Stand und die Erwartungen für die Zukunft in der Behandlung von
Gelenkveränderungen bei Rheuma.
Professor Dr. M. Schattenkirchner aus München erklärte, die Zahl der Gelenkinnenhautentfernungen
habe seit den 60er Jahren abgenommen, dagegen habe sich die Zahl der Arthroplastiken,
also der Gelenkprothesen, erhöht. Ziel sei die Schmerzlinderung, die Verhütung von
Gelenkdestruktionen und -deformierungen, die Erhaltung der Gelenkfunktion und die
Erhaltung der Lebensqualität der Patienten. Dazu geeignet sei die Gabe von Medikamenten,
bei denen sich in den letzten Jahren besonders Methotrexat, niedrig dosiertes
Kortison und die sogenannten TNF-alpha-Blocker als erfolgreich erwiesen haben.
Eine Defektheilung der Arthritis sei durchaus, zum Beispiel mit Methotrexat (MTX)
möglich. Wichtig sei die Beobachtung der Wirkung. Wenn die Krankheit zurückgehe,
könne die Medikation eingeschränkt, selten sogar abgesetzt werden. Zusammengehen
von konservativer Therapie und Operation sei sinnvoll, eine endgültige medikamentöse
Therapie der Rheumatischen Arthritis aber sei noch nicht in Sicht.
Auch Professor
Dr. Heiner Thabe aus Kreuznach sah Erfolge in der Behandlung dieser Krankheit nur
bei klarer Diagnose, geeigneter Therapie, ausgereifter Technik und der Mitarbeit
des Patienten sowie der Kooperation von Hausarzt und Facharzt. Frühzeitiges Eingreifen
bei deformierten Gelenken durch Operation bringe die besten Ergebnisse. Die Techniken
der Operation und Prothetik würden immer besser. Die Krankheit sei dann zwar nicht
geheilt, aber die Chancen auf Besserung durch medikamentöse Behandlung stiegen erheblich.
Professor Dr. Beat Simmen aus Zürich, Präsident der europäischen Rheumaorthopadie,
zeigte mit einem humorvollen Beitrag die Grenzen der Operateure auf, und machte deutlich,
daß Ärzte, die viele Operationen des gleichen Schemas hinter sich haben, auch die geringste
Zahl an Fehlschlägen erleben. Es ist also auch eine Sache der Erfahrung, nicht
nur der verbesserten Techniken, war sein Fazit.
Verknüpft mit dem ureigenen Thema des MARTA, der Kunst, war der Diavortrag von
Dr. Martin Talke, Rheumaorthopäde aus Berlin, der die Darstellung von Händen
in der Kunst beleuchtete.
Auf die Erhaltung der Beweglichkeit des Sprunggelenks
lenkte Professor Dr. Hakon Koefoed aus Kopenhagen die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer,
denen er Bilder von zerstörten und operativ wieder aufgebauten Knöcheln zur Anschauung
vorführte. Die Prothese sei der Versteifung auf jeden Fall vorzuziehen, obwohl es sich
hier um die schwierigste prothetische Versorgung im Körper handele meinte er,
verschwieg aber auch nicht, daß es damit manchmal Probleme geben kann.
Professor
Dr. Martii Hämäläinen aus Oulu (Finnland), referierte über 50 Jahre Rheumaoperationen.
Im Anfang habe es geheißen "Rheuma kann man nicht operieren" Später hieß es, besser
mehrere kleine als eine große Operation. Heute sei das nicht mehr wahr. Die Fachleute
arbeiteten heute zusammen, der Patient stehe in der Mitte eines Kreises von Medizinern,
die sich zusammen um ihn kümmern. Es sei wichtig, Zentren zu gründen, in denen der
Patient alle Hilfe bekäme, die er braucht, ohne daß er von einem Arzt zum anderen
rennen muß. Auch bei Kindern und Jugendlichen habe man die rheumatischen Erkrankungen
besser im Griff als noch vor wenigen Jahren. Viele Deformationen, die es früher gab,
seien durch gute Therapien verschwunden. Die Prothesen bei Jugendlichen hielten 10
bis 15 Jahre, eine eration sei nur in vier bis fünf Prozent der Fälle nötig. Die Rate
der Folgen der Rheumatischen Arthritis sei in Finnland erheblich zurückgegangen.
Auf ein Medikament zur Heilung der Erkrankung warte man bisher vergeblich. Eine
intensive Therapie sei immens wichtig - Zentren für allumfassende Therapien seien
dringend gefragt. Die European Speciality Orthopaedic Societies veranstalteten
Fortbildungen und Symposien, die sollten auch hier in der Bundesrepublik stattfinden,
regte er an.
Vom BrainLab kam der Spezialist für den Einsatz von Computern in der
orthopädischen Chirurgie und zeigte die neuesten Möglichkeiten, mit dieser Technik
die Diagnostiker und Operateure zu unterstützen.
Ein Blick in die neueste Ausstellung des MARTA schloss die Tagung ab, die von allen
Beteiligten als nützlich und sehr gelungen empfunden wurde.
Dorothee Prins, Rheuma-Liga AG Bielefeld