Versorgungsbedarf - Konzepte (1. Raspe; 2. Rheumazentrum OWL)

Vorbemerkung zur ambulanten medizinischen Versorgung

Nach §70 SGB V haben die Krankenkassen und die Leistungserbringer eine bedarfsgerechte und gleichmäßige, dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechende Versorgung der Versicherten zu gewährleisten. Nach §99 SGB V haben die Kassenärztlichen Vereinigungen einen Bedarfsplan zur Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung aufzustellen und jeweils der Entwicklung anzupassen.
Was im Fall 'Rheuma eine 'bedarfsgerechte' Versorgung ist, ist ebensowenig fest abgesteckt wie der Begriff Rheuma (siehe 'Was ist Rheuma?). Zur Struktur einer bedarfsgerechten Versorgung gibt es jedoch Konzepte:

1. Konzept Raspe: Einschätzung des Bedarfs an ambulant tätigen internistischen Rheumatologen und Berechnungsbasis nach Raspe, H. : 1 Rheumatologe pro 50.000 Einwohner - Vortrag 28.02.07 MHH
Aufgaben-
bereich
entzündlich und nicht entzündlich: undiff. Arthritis und Spondarthritis, RA, SPA, Kollagenosen, Vaskulitiden, Kristallarthropathien, Polyarthrose, Verdacht auf entzündlichen Rückenschmerz, polytope Rückenschmerzen, Osteopathien.

geschätzte
Prävalenz


•  entzündlich = 2% (undiff. Arthritis 0,27%, RA 0,5%, SPA-Gruppe 1,15%*,
      Kollagenosen 0,06%, Vaskulitis 0,02%)
•  nicht entzündlich = 10% (Polyarthrose, Fibromyalgiesyndrom,
      entzündlicher Rückenschmerz, Kristallarthropathien)

Arbeitszeit
pro Arzt


215 Tage pro Jahr, 10 Stunden pro Tag, 50 Stunden pro Woche, davon 10% für Pausen, 8% für Bürokratie, 7% für Betriebsführung (= 7,5 Stunden pro Tag 'am Patienten').
Zeit pro Patient Erstkontakt (Feststellung/Ausschluß) entzündliche Rheumaerkrankung: einfach 15', komplex 40'
Wiedervorstellungstermin 20'
Frequenz der Wiedervorstellung 'entzündlich': 1x/Quartal (nur bei Inzidenz 1,5 Kontakte à 40')
Frequenz der Wiedervorstellung 'nicht entzündlich': 1x/Jahr

Umfang der
Versorgung
keine Angaben zur Frage, auf welche Tätigkeiten das Zeitraster zugeschnitten wurde
* Anmerkung: in der Kerndokumentation der Rheumazentren beträgt die Prävalenz der SPA-Gruppe 2003 und 2004 30% der Prävalenz der RA (Epi-Reports des Dt. Rheumaforschungszentrums Berlin). Allgemein gilt die Annahme, dass RA ca 50% aller entzündlich rheumatischen Erkrankungen ausmacht. C. Bonnemann

2. Konzept RZ und Q-Zirkel Rheuma OWL: zur wohnortnahen ambulanten Versorgung chronisch Rheumakranker wird ein ganztags tätiger internistischer Rheumatologe pro 250.000 EW benötigt .
Aufgaben-
bereich
•  Erstuntersuchung*: Abklärung bei Verdacht auf eine entzündlich rheumatische Erkrankung
    oder zur Mitbetreuung bei bekannter entzündlich rheumatischer Erkrankung
•  kontinuierliche Mitversorgung: Patienten mit entzündlich rheumatischen Systemerkrankungen

geschätzte
Prävalenz

•  entzündlich = 1% (RA 0,5%, alle übrigen zusammen 0,5%)
•  nicht entzündliche rheumatische Beschwerden = >10%

Umfang der
Versorgung
Im Durchschnitt etwa 1x pro Quartal, bei Bedarf häufiger (Schubsituationen, Komplikationen, Patientenfragen, insb. dort, wo es keine Patientenschulungen gibt). Als 'Zeit am Patienten' muss Zeit für Injektionen, Dokumentation und Arztbriefe eingeplant werden
* Die Einschränkung auf spezielle Diagnosen zur Erstuntersuchung erscheint nicht sinnvoll, da gerade die Schwierigkeit der Unterscheidung zwischen entzündlich und nicht entzündlich häufig zur Überweisung führt;

Konzepte aus anderen Regionen: angefragt

Die Geschäftsordnung der Rheumazentren || Das Memorandum von 1993/1994 || Archiv