Die Bedeutung der Morbiditätsstruktur für die Gestaltung einer bedarfsgerechten wohnortnahen Versorgung Rheumakranker - Entwicklung seit 1981, Stand in OWL 2007 unf zukünftige Chancen
Das Morbiditätsprofil einer Region gibt vor, welche Maßnahmen zur Sicherstellung der Krankenversorgung notwendig sind,
kann aber auch Präventionspotentiale anzeigen. 1981, als die Rheumatologie zum eigenen Fach wurde,
musste der Versorgungsbedarf geschätzt werden. Ein- und Ausschlusskriterien zur
spezialisierten Versorgung (Aufgaben der Rheumatologie?) wurden anfangs nicht streng festgelegt.
Heute erfordert die Einführung neuer Versorgungsformen eine genaue Definition des Arbeitsbereiches 'Rheuma'.
Mit Einführung der Kennzeichnung 'G' (gesichert) ist es in Deutschland seit 2004
möglich, die ambulante
Morbidität anhand ICD-codierter Abrechnungsdiagnosen gesetzlich Krankenversicherter zu erfassen. Damit sind Versorgungsplaner heute nicht mehr auf Schätzungen angewiesen.
Stattdessen können Politik, Krankenkassen, Leistungserbringer und Bürger auf Basis valider Daten rational entscheiden.
In NRW veröffentlicht das
lögd diagnosebezogene Daten (ICD-3-stellig) nach Alter, Geschlecht, Jahr und Kreis, auf Bundesebene siehe
Robert-Koch-Institut.
Sonderproblem seltene Erkrankungen - Vorkommen und Versorgungssituation in OWL
Zur Versorgungssituation von Patienten mit seltenen Erkrankungen sind der öffentlichen Gesundheitsberichterstattung
dann keine genauen Angaben zu entnehmen, wenn sich die gesuchte Diagnose mit einer 3-stelligen ICD-Codierung nicht abbilden läßt oder wenn zur Berichterstattung aus Gründen
der Übersichtlichkeit der Gesamtdarstellung Diagnosegruppen gebildet werden. Zur Planung bedarfsgerechter Versorgungspfade für Menschen mit seltenen Erkrankungen
werden häufig ICD-4-stellige Daten benötigt. Die Häufigkeit von Diagnosen auf dem Messniveau einer 4-stelligen ICD-Codierung
kann im Rahmen der eigenen
Einrichtung jeder Leistungserbringer selber feststellen, auf Ebene einzelner Leistungsträger die Träger(?), kassenübergreifend und bevölkerungsbezogen für den ambulanten Bereich nur
die kassenärztlichen Vereinigungen (anhand von EDV-Abrechnungsdaten ICD-4-stellig verschlüsselt mit Angabe der Diagnosesicherheit). Für die Sicherstellung der Bewohner von Westfalen Lippe (mit den Regierungsbezirken Detmold/OWL, Münster und Arnsberg) ist die
KVWL zuständig.
Für die Region OWL setzen sich mit Blick auf §70 SGB V (Gleichmäßigkeit der Versorgung) der Qualitätszirkel Rheumatologie OWL und die Mitglieder des Rheumazentrums OWL bereits seit dem Jahr 2006 mit dem Thema 'Seltene Erkrankungen in der Rheumatologie' intensiv auseinander (
siehe Stichwort 'Seltene Krankheiten').
• Die 'Poster seltene Rheumakrankheiten in OWL/WL'>(
Teil 1,
Teil 2) wurden mit sachlicher Unterstützung der KVWL, wissenschaftlicher Unterstützung der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und finanzieller Unterstützung der Rheuma-Liga (Bundesverband) für den 3. Rheumatag OWL 2006 hergestellt.
• Auch ein
Statement zur ambulanten Versorgung seltener Erkrankungen der Dt. Rheuma-Liga aus dem Jahre 2007 (in Zusammenhang mit §116b SGB V) enthält eine Liste seltener Rheumaerkrankungen enthält .
• Zur Abbildung der Qualität der Versorgung Rheumakranker auf Kreisebene (auch für Patienten mit seltenen und "Nicht-DMP"-Krankheiten) werden in Bielefeld und OWL derzeit mit Unterstützung der KVWL Übersichten
herstellt, denen auch zu entnehmen ist, wie häufig die von der Rheuma-Liga vorgeschlagenen Erkrankungen in
Westfalen-Lippe vorkommen, siehe
Extra-ARBEITSBLATT 28.10.07.
Eine Liste entsprechender wohnortnaher Versorgungsangebote auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte
(in OWL 7, in WL 27, in NRW 54) ist in Arbeit.
Hierbei ist noch zu überlegen, ob es im Falle seltener und sehr seltener Erkrankungen genügt,
Angebote pro 100.000 Einwohner pro Kreis (kreisfreie Stadt) abzubilden.
Es muss auch überlegt werden, wie Menschen mit seltenen Erkrankungen, ihren Angehörigen und ihren Hausärzten die Chance gegeben werden kann,
in regelmäßigen Abständen dort Rat zu finden, wo ihre Krankheit nicht selten vorkommt, möglichst wohnortnahe. Ein solcher Wegweiser für Betroffene in OWL liegt noch nicht vor. Die auf dieser Seite aufgeführten Arbeiten stellen jedoch Vorarbeiten hierzu dar. Siehe auch
Arztzahlen Deutschland.