Diagnostik des Sjögren-Syndroms

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Diagnostik des Sjögren-Syndroms

PD Dr. med. Torsten Witte

Medizinische Hochschule Hannover,

 Abt. Klinische Immunologie

Zusammenfassung des Vortrages beim 2. Deutschen Sjögren-Tag an der Medizinischen Hochschule Hannover, März 2003

 

Nur etwa die Hälfte der Patienten klagt über offensichtliche Beschwerden der Mund- und Augentrockenheit (Durst, Augenbrennen). Die Problematik für den Arzt ist, an ein Sjögren-Syndrom auch dann zu denken, wenn Patienten nicht über solche Symptome klagen, weil sie sich an die schleichend auftretende Trockenheit gewöhnt haben, sondern sich aufgrund von anderen Beschwerden wie Infekte der oberen Atemwege, Bindehautentzündungen oder Kribbeln/Taubheitsgefühl vorstellen. Bei all den genannten Beschwerden und daraus folgendem Verdacht auf ein Sjögren-Syndrom müssen zunächst objektive Tests zur Messung der Mund- und Augentrockenheit erfolgen. Für die Messung der Tränenproduktion hat sich der Schirmer-Test bewährt, bei dem den Patienten ein Filterpapierstreifen in die äußeren Augenwinkel gehängt wird. Nach 5 Minuten kann abgelesen werden, wie weit der Tränenfilm in das Papier eingedrungen ist (bei Gesunden > 10 mm/ 5 min). Zur Messung der Speichelproduktion erfolgen verschiedene Tests. Wir bevorzugen wegen der einfachen Durchführbarkeit den Saxon-Test, bei dem die Patienten über 2 Minuten auf einem Gaze-Schwamm kauen. Der Schwamm wird vorher und nachher gewogen, um die Speichelmenge, die sich im Schwamm gesammelt hat, zu bestimmen.

Wenn die Tränen- und/oder Speichelproduktion vermindert ist, sollten Blutuntersuchungen erfolgen. Bislang existierten keine Labormarker, die entweder sehr häufig beim Sjögren-Syndrom vorliegen oder sehr spezifisch für diese Erkrankung sind. Die in Deutschland am häufigsten als Marker des Sjögren-Syndroms verwendeten Autoantikörper gegen SSA (Ro) liegen beispielsweise nur bei ca. 40 - 50 % der Patienten vor. Antikörper gegen SSB (La) werden sogar noch seltener bei ca. 20 - 30 % der Patienten nachgewiesen.

1997 wurden erstmals Autoantikörper gegen alpha-Fodrin als neuer Marker des Sjögren-Syndroms beschrieben. Alpha-Fodrin ist ein Eiweiß (Protein), das sich in Körperzellen (besonders reichhaltig in Drüsen) befindet und wie ein Gerüst die Form der Zellen stabilisiert. Da alpha-Fodrin normalerweise nicht im Blut vorkommt, kennt das Immunsystem diese Substanz nicht. Bei Entzündungen der Drüsen werden Zellen zerstört, so daß alpha-Fodrin frei wird. Das Immunsystem wehrt sich dann gegen den Stoff und bildet sogenannte Antikörper. Wenn die Entzündung und der Zellzerfall nachlassen, verschwinden auch die Antikörper wieder. In dem Bluttest zur Diagnostik des Sjögren-

Syndroms wird die Abwehrreaktion gegen alpha-Fodrin nachgewiesen. 93 % der Patienten mit Sjögren-Syndrom haben Antikörper gegen alpha-Fodrin. Die Stärke der Antikörperbildung zeigt die Stärke der Entzündung in den Drüsen an. Antikörper gegen alpha-Fodrin sind somit nicht nur ein Test für das Sjögren-Syndrom an sich, sondern auch für den Verlauf der Entzündung. Nach Beginn einer Therapie des Sjögren-Syndroms, z.B. mit Cortison oder Quensyl, verschwindet der Antikörper wieder, sofern die Entzündung durch die Medikamente wirkungsvoll behandelt ist.