Genetische Risikofaktoren des Sjögren-Syndroms

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Genetische Risikofaktoren des Sjögren-Syndroms

PD Dr. med. Torsten Witte

Medizinische Hochschule Hannover,

Abt. Klinische Immunologie

Zusammenfassung des Vortrages beim 2. Deutschen Sjögren-Tag an der Medizinischen Hochschule Hannover, März 2003

 

Eine einleitende Umfrage unter den Besuchern des 2. Deutschen Sjögren-Tags zeigte, daß ca. 4 % der Betroffenen Geschwister mit Sjögren-Syndromen und ca. 25 % Geschwister mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Diabetes und rheumatoider Arthritis hatten. Das Häufigkeit in der Bevölkerung liegt dagegen nur bei 0.5 - 1% bzw ca. 5 %. Somit treten sowohl Sjögren-Syndrome als auch andere Autoimmunerkrankungen in den Familien der Patienten gehäuft auf und es müssen erbliche Ursachen des SS vorliegen. Nach solchen Risikoerbanlagen ("Genen") hatten wir in Zusammenarbeit mit der Selbsthilfegruppe, deren Mitglieder Blut für die Untersuchung zur Verfügung gestellt hatten, gesucht. Da der Mensch etwa 30.000 Erbanlagen hat, können nicht alle Gene, sondern nur solche, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit dem Sjögren-Syndrom zusammenhängen, untersucht werden. Für unsere Analysen hatten wir uns zwei Gene ausgewählt. Das eine dieser Gene bewirkt, daß Immunabwehrzellen auf der Oberfläche eine Art Fühler ("Rezeptor") bilden, über den sie Viren erkennen und bekämpfen können. Es existieren 2 Formen der Erbanlage, die unterschiedlich gut in der Virusabwehr funktionieren. Die Erbanlagen von 105 SS-Patienten wurden mit denen gesunder Blutspender verglichen. Dabei zeigte sich, daß Patienten mit Sjögren-Syndrom gehäuft den schlechteren Fühler haben und somit Viren weniger gut abwehren können. Diese Untersuchungen sind gut mit der gängigen Meinung vereinbar, daß das Sjögren-Syndrom durch eine chronische Virusinfektion mit eigentlich banalen Viren ausgelöst wird, die bei den Patienten wegen der schlechteren Abwehr nicht ausheilt und immer wieder aufflackert. Solche chronischen Virusinfekte müssen aber nicht automatisch zur Zerstörung der Drüsen führen, da das Immunsystem eine Reihe von Stopsignalen kennt, die eine längergehende Immunabwehr schließlich abbremsen. Wir haben daher als zweites Gen ein solches Stopsignal untersucht, das verhindert, daß sich das Immunsystem gegen Strukturen des eigenen Körpers wendet. 28 % der gesunden Blutspender hatten einen Defekt dieses Stopsignals, während der Defekt bei 50 % der Mitglieder der Selbsthilfegruppe Sjögren-Syndrom vorliegt. Somit haben Patienten mit Sjögren-Syndrom gehäuft Defekte in der Beendigung einer Abwehrreaktion. Solche Defekte können dazu führen, daß bei einer chronischen Virusinfektion das Immunsystem immer wieder aktiviert wird und Drüsengewebe zusätzlich zum Virus angreift und zerstört. Das Stopsignal ist ein löslicher Faktor, der im Blut zirkuliert. Wir stellen diesen Faktor gerade selbst synthetisch her. Falls der Faktor gereinigt werden kann, ist denkbar, ihn in einigen Jahren therapeutisch beim Sjögren-Syndrom einzusetzen.